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Der Hallux valgusAnatomische Grundlagen, Operation, Behandlungsablauf
Der geläufige Begriff „Hallux“ heisst nichts anderes als „Grosszehe“ auf lateinisch. Eigentlich sollte man von „Hallux valgus“ reden, was dann eine Fehlstellung der Grosszehe im Sinne einer Abknickung nach innen bedeutet.
Wie kommt es zu einem Hallux valgus?
Die Ursachen für die Entstehung einer Hallux valgus Deformität sind vielseitig, wobei ein über Jahren getragenes „ungesundes“ Schuhwerk mit hohen Absätzen und vorne zu engen Schuhen sowie die erbliche Veranlagung die Hauptrollen spielen. Die Grosszehe knickt nach innen ab, der Mittelfussknochen weicht zunehmend nach aussen und bildet das augenfällige und schmerzhafte „Überbein“. Dabei handelt es sich nicht um ein echtes Überbein, sondern um eine normale anatomische Struktur, die sich aber an einem falschen Ort befindet. Der über dem Mittelfussknochen an diesem Ort verlaufende Nerv der Grosszehe wird im Schuh gereizt und kann einen lästigen, brennenden Schmerz an der Grosszehe auslösen. Durch diese Fehlstellung verliert die Grosszehe einen Teil ihrer wichtigen Stützfunktion und der benachbarte Mittelfussknochen wird chronisch überbelastet. Unter ihm an der Fusssohle entstehen Schmerzen und es bildet sich häufig eine dicke, schmerzhafte Hornhaut. Schliesslich reissen die dort stark strapazierten Bänder der 2. Kleinzehe und es bildet sich eine Hammerzehe.
Muss man den «Hallux» operieren? Ein Hallux valgus ist keine gefährliche Krankheit. Solange er nicht oder nur wenig stört wird keine Operation empfohlen. Auch ein vorbeugender Eingriff macht keinen Sinn, weil eine spätere Korrektur immer möglich sein wird, auch wenn die Fehlstellung stark zugenommen hat. Kommt es aber zu regelmässigen Beschwerden und besteht ein Wunsch nach einer Korrektur, dann ist die Operation sicherlich eine gute Lösung. Nur aus ästhetischen Gründen zu operieren ist nicht gerechtfertigt.
Die Operation
Ziel der Chirurgie ist die möglichst exakte Wiederherstellung einer normalen Anatomie, welche vor Auftreten der Deformität bestanden hat. Der schräg stehende Mittelfussknochen, der nach aussen drückt, muss also wieder aufgerichtet und in der korrekten Stellung stabilisiert werden. Die Grosszehe steht dann wieder gerade auf dem Mittelfussknochen und entfaltet ihre volle Stützfunktion, was die Überbelastungsschmerzen an der Fusssohle zum Verschwinden bringt.
Diese Korrektur erfolgt durch einen Knochenschnitt (sog. Scarf- Osteotomie), der mit 2-3 kleinen Schrauben in der korrekten Stellung bis zur Heilung (6-8 Wochen) stabilisiert wird. Die später funktionslos gewordenen Schrauben werden nicht gespürt und müssen nur ausnahmsweise entfernt werden. Diese Operation dauert in der Regel etwa eine Stunde. Auch wenn Komplikationen nie ganz ausgeschlossen werden können, sind sie jedoch bei der Hallux valgus Chirurgie selten und so gut wie nie schwerwiegend. Ein spezifisches Risiko für die Hallux valgus Operation ist die Überkorrektur. Diese recht seltene Komplikation tritt früh auf (nach einigen Wochen) und muss durch einen zusätzlichen Eingriff korrigiert werden.
Der Behandlungsablauf im Spital Der Eintritt in die Klinik erfolgt am Vorabend oder am Operationstag. Die Operation wird in der Regel in einer lokalen Betäubung des Fusses durchgeführt, die ca. 20 Minuten vor Beginn der Operation im Operationssaal gesetzt wird. Die Schmerzen nach der Operation können mit einfachen Schmerzmitteln effizient beseitigt werden. Die Belastung des operierten Fusses mit Krücken ist bald nach der Operation dank einem Spezialschuh möglich. Allerdings sollte das Aufstehen anfänglich auf ein Minimum reduziert werden, um Nachblutungen zu vermeiden. Der Verband wird am nächsten oder übernächsten Tag neu angelegt. Sie werden instruiert, damit Sie ihn dann selber zu Hause wechseln können. Sobald die Wunde trocken verheilt ist, wird das Duschen ohne Schutzeinrichtung (Plastik usw.) erlaubt.
Nach dem Spitalaufenthalt
Nach ca. drei Übernachtungen in der Klinik erfolgt der Austritt nach Hause. Bis zur ersten Nachkontrolle bei Ihrem Operateur ist Gehen nur mit dem verordneten Spezialschuh erlaubt. Bei der Nachkontrolle wird der Fuss radiologisch kontrolliert und Sie werden nach ca. 6 Wochen wieder mit normalem Schuhen gehen dürfen, wobei diese anfänglich noch breit und weich sein sollen - bringen Sie ein Paar mit! Ungefähr 3 Monate später sind die meisten Aktivitäten wieder möglich, auch wenn eine Tendenz zur Schwellung noch für einige Zeit bestehen kann.
Erfolgsaussichten Zu Unrecht wird die Chirurgie des Hallux valgus als eine schmerzhafte, wenig erfolgreiche Behandlung betrachtet - leider nicht zuletzt aufgrund von konkreten Erfahrungen im eigenen Bekanntenkreis. Die Hallux valgus-Korrektur gehört zur anspruchsvollen Chirurgie, welche Übung und Erfahrung verlangt. Broschüre: | ||