Hüftgelenk

Mit zunehmendem Lebensalter nimmt die Abnutzung des Knorpelüberzuges an der Hüfte zu. Dabei wird der Gelenkknorpel welcher wichtig ist für eine einwandfreie und schmerzfreie Funktion des Gelenkes zunehmend abgerieben. Dies führt zu Schmerzen im Gelenk und zu einer Einschränkung der Beweglichkeit.

Häufig sind die Ursachen der Gelenksabnützung (Arthrose) nicht bekannt. Eine familiäre Belastung spielt aber sicherlich eine Rolle. Gewisse Grunderkrankungen wie angeborene Formveränderungen der Hüfte, Rheuma, Durchblutungsstörung, Unfälle etc können ebenfalls zu einer Hüftarthrose führen. Das Gelenk verliert zunehmend seine Passform. Der Knochen bildet an den Rändern Ablagerungen. Abriebprodukte verursachen wiederholt Schmerzen. Der Knorpelverlust führt zu einer zunehmenden Einsteifung des Gelenkes. Gleichzeitig treten Anlauf- und Belastungs-, später Ruhe- und Nachtschmerzen auf. Diese führen zu einer Reduzierung der Gehstrecke und letztlich einer Einschränkung der Lebensqualität.

Die Arthrose lässt sich im normalen Röntgenbild darstellen wobei die Verschmälerung des Gelenksspaltes zwischen Hüft- und Oberschenkelknochen als indirektes Zeichen des Knorpelverlustes zu erkennen ist. Kugel und Pfanne sind häufig teilweise zerstört und passen nicht mehr optimal ineinander („laufen auf der Felge“).

Wenn konservative Behandlungsmassnahmen (Physiotherapie, Bädertherapie, Massagen, Schmerzmedikamente etc) nicht mehr helfen und die Schmerzen zu stark geworden sind und auch das Röntgenbild eine deutliche Arthrose zeigt, ist der Zeitpunkt für eine Operation gekommen.

Bei der Hüftarthrose muss sowohl der Hüftkopf als auch die Hüftpfanne ersetzt werden. Es wird ein künstliches Gelenk eingesetzt, eine sogenannte Hüft- Totalendoprohtese (Hüft- TP). Diese Operation wurde ca. 1960 erstmals von Sir John Charnley entwickelt und seither ständig verbessert. Dadurch wurde dieser Eingriff zu einer der häufigsten und erfolgreichsten Routineoperationen in der orthopädischen Chirurgie: In Europa werden ca. 400`000 Hüftprothesen pro Jahr eingesetzt.

Das Implantat

Die früheren Prothesenmodelle genügten den hohen Belastungsanforderungen welche ans Material gestellt werden noch nicht. So kam es gelegentlich zu einem Bruch der Prothese und zu vermehrtem Verschleiss (Abrieb). Der vermehrte Abrieb führte in der Folge zu einer Auslockerung der Hüftprothese.

Durch den Fortschritt in der Medizintechnik gibt es mittlerweile eine grosse Zahl verschiedener Prothesenmodelle. Das neuste ist aber nicht immer das Beste. Wichtig ist, dass ein Modell verwendet wird welches sich über viele Jahre bewährt hat. Eine Hüfttotalprothese sollte möglichst lange halten damit keine Wechseloperationen notwendig werden.

Die Prothese ist der menschlichen Anatomie nachgebildet: Sie besteht aus einer Pfanne und einem Schaft auf dem ein Kugelkopf aufgesetzt wird. Mit Hilfe einer Planungsskizze und Ihrem individuellem Röntgenbild werden die Modellgrösse und die Fixation der Prothese bestimmt. Wir unterscheiden verschiedene Fixationstechniken:

  • Die zementfreie Endoprothese
    Hier werden Schaft und Pfanne mittels „Pressfit“- Technik exakt in den Knochen eingepasst.
  • Die zementierte Endprothese
    Die Hüftpfanne und der Schaft werden mit schnell härtendem Knochenzement befestigt.
  • Die Hybrid- Endoprothese
    Die Pfanne wird zementfrei, der Schaft mit Knochenzement verankert.

Wir bevorzugen die unzementierte Version. Dazu eignen sich Titanimplantate welche mit einer speziellen aufgerauhten Oberfläche ein ausgezeichnetes Anwachsen des Knochens an die Prothese ermöglichen.

Bei der sog.Minimal- invasiven-Technik" wird die Hüftmuskulatur geschont. Anstelle der teilweisen Muskelablösung wird die Muskulatur stumpf auseinandergedrängt. Dadurch ist eine beschleunigte Rehabilitation möglich: Der Spitalaufenthalt wird verkürzt,die Gehstöcke können früher weggelassen werden.

. Entscheidend für den Erfolg der Operation ist die exakte Ausrichtung der Prothesenkomponenten (Pfanne und Schaft). Dies ist die Voraussetzung für eine lange Lebensdauer der Prothese.

Als sog. Gleitpaarung (Gelenkskomponenten welche direkten Kontakt miteinander haben) zwischen Pfanneneinsatz und künstlichem Hüftkopf werden Polyethylen- Keramik- oder Metall- Kombinationen verwendet. Die neusten Entwicklungen bei den Gleitpaarungen führen dazu dass trotz jahrelanger Belastung nahezu kein Materialabrieb stattfindet. Meistens funktioniert eine Hüft- TP während 15-20 Jahren einwandfrei. Längere Laufzeiten sind aber ohne weitere möglich.

Wenn sich der Schaft oder die Pfanne im Verlaufe der Jahre lockern und entsprechende Beschwerden verursachen können die betreffende Komponente oder auch die ganze Prothese gewechselt werden. Man bezeichnet dies als Revisionseingriff. Ein solcher Eingriff ist aber aufwendiger als eine Erstimplantation.

Nach der Operation

  • Benutzen Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit während den ersten 4-6 Wochen nach der Operation zwei Gehstöcke.
  • Autofahren frühestens nach 6 Wochen nach Rücksprache mit dem Operateur.
Während der ersten 3 Monate nach der Operation gilt:

  • Kein Überkreuzen der Beine beim Sitzen oder Liegen. Das Gelenk könnte sonst ausrenken, insbesondere wenn gleichzeitig der Fuss nach aussen gedreht wird.
  • Sitzen Sie auf einem hohen Stuhl und meiden Sie tiefe Sessel.
  • Falls Sie zu Hause eine niedrige Toilette haben brauchen Sie einen Toilettenaufsatzring um eine zu starke Beugung der Hüfte zu vermeiden.
  • Vorsicht beim raschen Aufstehen von einem Stuhl oder bei anderen brüsken, unkontrollierten Bewegungen.
  • Vorsicht vor dem Ausrutschen auf glatten Böden (Badezimmer, Schwimmbad, feuchter Parkett-, oder Linoleumboden, nasses Laub etc).
  • Sport: Geeignete Sportarten sind Velofahren, Schwimmen, Skilanglauf, Wandern.
  • Bedingt geeignet sind: Tennis, Skifahren, Golf, Reiten.
  • Sportarten mit starker Belastung, insbesondere Schlägen, Erschütterungen und starken Drehkräften wie Fussball, Handball etc. sind nicht geeignet.

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