Schulter- Ellbogen- Hand

Schultergelenk


Seit Jahren ist die Schulterchirurgie im Aufwind. Das bessere Verständnis der Schulterfunktion, genauere Abklärungsmöglichkeiten insbesondere mittels MRI (Magnetresonanz) sowie eine Verbesserung der Nachbehandlung sind die Gründe dafür.

Schultergelenksbeschwerden sind häufig. Bei jüngeren Menschen handelt es sich meistens um unfallbedingte Probleme, bei älteren Patienten um Abnutzungen oder rheumatologische Erkrankungen. Waren früher Schultergelenksbeschwerden einer operativen Therapie weniger gut zugänglich so hat die Schulterchirurgie in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht.

Dank einer guten Diagnostik können Schultergelenksbeschwerden heute optimal behandelt werden. Wenn möglich wird der Eingriff ohne grosse Schnitte unter arthroskopischer Kontrolle durchgeführt. Damit können schmerz- und komplikationsarme Behandlungen vorgenommen werden.

Die Spitalaufenthaltszeit wird erheblich verkürzt. Bei komplexeren Verletzungen der Rotatorenmanschette oder falls eine Schulterprothese eingesetzt werden muss wird mittels offener Technik behandelt.

Im folgenden sind einige Bespiele häufiger Schultererkrankungen aufgeführt:

Verletzungen der Rotatorenmanschette

Als Rotatorenmanschette wird der Muskelgürtel bezeichnet welcher die Schulter in der Tiefe umschliesst und zur Stabilisierung des Gelenkes wichtig ist.

Rotatorenmanschetten- Verletzungen können einerseits durch einen Unfall (durch einen Schlag oder Sturz) oder durch abnützungsbedingte Erkrankungen auftreten.

Bei Rotatorenmanschettenrissen verspürt der Patient Schmerzen beim Anheben des Armes über die Schulterhöhe, es kommt zu einer Kraftminderung in der betroffenen Schulter. In der Regel müssen solche Verletzungen operativ versorgt werden, da durch den Zug der Sehnen eine Spontanheilung nicht erfolgt.

Diese Verletzungen können bei kleineren Rissen minimal-invasiv, also über kleine Schritte behandelt werden. Die abgerissene Manschette wird mittels spezieller Nahttechniken unter arthroskopischer Kontrolle wieder am Sehnenansatz im Bereiche des Oberarmkopfes fixiert.

Die Nachbehandlung ist ebenso wichtig wie die korrekte Operation und beinhaltet das Tragen eines Abduktionskissen für 4 - 6 Wochen. Anschliessend erfolgt die Rehabilitation mittels Physiotherapie zum Wiederaufbau der Schultermuskulatur.

Schulterinstabilität

Solche Verletzungen sind häufig bei Ballsportlern und kommen meist im jugendlichen Alter vor. Beim Ausrenken der Schulter wird die Gelenkskapsel und der sog. Limbus welcher für die Stabilität des Gelenkes wichtig ist, verletzt. Dieser muss operativ versorgt werden. Das geschieht heute in der Regel arthroskopisch. Ziel der Operation ist Wiederherstellung eines stabilen Gelenkes welches eine volle Sportfähigkeit erlaubt.


Engpasssyndrom (Impingement) des Schultergelenkes

Über dem Schultergelenk befindet sich das sog. Schulter-Dach. Zwischen dem Oberarmkopf und dem Schultergelenksdach befindet sich der sog. subacromiale Raum in welchem sich die Rotatorenmanschette und darüber ein Schleimbeutel befindet.

Durch Veränderungen am Schulterdach z.B. Arthrosezacken oder Verkalkungen kommt es zu schmerzhaften Entzündungen des Schleimbeutels (Bursitis). Beim Anheben des Armes über die Horizonale oder beim Liegen auf der entsprechenden Körperseite kommt es zu störenden Schmerzen.

In dieser Situation muss zwischen dem Schulterdach und der Rotatorenmanschette operativ vergrössert werden. Dies geschieht heute meist mittels arthroskopisch.

Liegt zusätzlich eine Verkalkung vor (=PHS- Calcarea) muss der Kalk entfernt werden. Dies kann entweder durch ein sog. Needling unter Bildwanderkontrolle oder minimal-invasiv erfolgen. In einigen Fällen ist aber auch ein offenes Vorgehen notwendig.

Bei kleinen Kalkherden unter 1 cm Durchmesser kann der Kalk durch Stosswellenbehandlung zur Auflösung gebracht werden.

 

Schulterarthrose

Wie im Bereiche anderer grosser Gelenke z.B. an der Hüfte oder am Kniegelenk kann es auch an der Schulter zur Zerstörung der Gelenksflächen entweder in Folge eines Unfalles oder durch Gelenksabnützung kommen.

Allerdings wird eine Arthrose im Schultergelenk besser ertragen, da es sich um ein nicht belastetes Gelenk handelt. Ähnlich wie bei der Hüfte und dem Kniegelenk muss bei anhaltenden Schmerzen ein Kunstgelenk eingesetzt werden.

Dabei kann entweder nur die Kopfkalotte (=Schulter-Teilprothese) oder das ganze Gelenk mit der Gelenkspfanne (=Schulter-Totalprohtese) ersetzt werden.

Liegt zudem eine ausgedehnte Verletzung der Rotatorenmanschette vor ist der Einbau einer sog. Umkehrprothese (=Deltaprothese) angezeigt. Damit kann auf elegante Weise die fehlende Muskulatur kompensiert werden und der Arm ist wieder schmerzfrei beweglich.

 

 

Ellbogen

Ellbogenarthroskopie

Bei verschiedenen Erkrankungen des Ellbogengelenkes kann eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) mit gutem Erfolg durchgeführt werden.

Die Ellbogenarthroskopie kommt zum Einsatz wenn freie Gelenkskörper z.B. bei einer Arthrose oder aus anderen Gründen im Gelenk stören. Bei einer eingeschränkten Beweglichkeit des Ellbogens z.B. nach einem Unfall oder bei Arthrose kann mittels einer arthroskopischen Arthrolyse (Lösung von Verklebungen) eine Verbesserung der Gelenksbeweglichkeit erreicht werden.

Bei der rheumathoiden Arthritis kann die entzündlich veränderte Gelenkinnenhaut arthroskopisch entfernt werden.

Tennis-/ Golferellbogen

Bei chronischer Überlastung der Muskelansätze auf der Aussenseite des Ellbogens können lästige Schmerzen auftreten. Diese sind bedingt durch eine Entzündung im knöchernen Ansatzbereich der Strecksehnen.

Erste therapeutische Massnahmen sind regelmässige Dehnungsübungen sowie der Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten. Bei länger anhaltenden Beschwerden kann auch eine örtliche Cortisoninjektion Linderung bringen. Weiter ist eine Reduktion der auslösenden Ursachen z.B. von repetitiven Bewegungen wichtig. Halten die Schmerzen trotz all dieser Massnahmen an muss ein operatives Vorgehen besprochen werden:

Bei der Operation werden die schmerzhaften Strecksehnenansätze auf der Aussenseite am Ellbogen abgelöst. Nach der Operation muss der Ellbogen während etwa 2 Wochen mit einer Schiene ruhiggestellt werden. Meist können die hartnäckigen Beschwerden durch diese Operation behoben werden.

 

Handgelenk und Hand

Ganglion

Ein Ganglion ist eine häufige Erkrankung am Handgelenk. Dabei handelt es sich um eine gutartige Neubildung. Durch die Ausstülpung der Gelenkskapsel oder Sehnenscheide entsteht eine mit Flüssigkeit gefüllte Zyste. Meistens tritt das Ganglion am Handgelenksrücken auf. Die Grösse variiert zwischen Erbs- bis Haselnussgrösse. Solche Ganglien stören ästhetisch. Ein Ganglion entsteht durch Abnützung oder in Folge eines Unfalls.

Therapie: Bei Beschwerden kann das Ganglion punktiert und allenfalls zusätzlich Cortison gespritzt werden. Bei einem Rezidiv ist die chirurgische Entfernung angezeigt. Auch nach einer chirurgischen Entfernung kann sich das Ganglion neu bilden. Die Prognose ist aber in den meisten Fällen günstig.


Schnellender Finger

Die Beugesehnen der Finger werden durch sog. Sehnenscheiden geführt. Diese sind durch Ringbänder am Knochen befestigt. Die Beugesehne kann sich in Folge einer Entzündung lokal verdicken wodurch sie nicht mehr unter den Ringbändern hindurch gleiten kann. Dadurch wird die Beugung und Streckung des Fingers durch ein schmerzhaftes Schnappphänomen behindert. Repetitive Krafteinwirkungen oder Systemerkrankungen wie Diabetes und Rheumatoide- Arthritis können zu Entzündungen an der Sehne führen wodurch eine Verdickung entsteht.

Therapie: Mittels Cortisoninjektion kann die Entzündung behandelt werden. Führt dies nicht zum Ziel ist ein kleiner operativer Eingriff mit Spaltung des Ringbandes angezeigt. Dadurch erhält die Sehne wieder mehr Platz. Der Finger muss anschliessend sofort wieder bewegt werden damit es nicht zu Verklebungen der Sehne kommt. Selbstverständlich müssen auch die Ursachen welche zur Entzündung geführt haben beseitigt werden. Eine ergotherapeutische Beratung hilft dabei Fehl- und Überlastungen auszuschalten.


Carpaltunnelsyndrom (CTS)

Im Handgelenk befindet sich der Carpaltunnel. In diesem verlaufen die Beugesehnen sowie der Medianusnerv.

Über dem Carpaltunnel befindet sich ein kräftiges Band. Kommt es zu einer Druckerhöhung im Carpaltunnel kann der Medianusnerv eingeengt werden. Dies führt zu einer Durchblutungs- und Funktionsstörung mit Einschlafgefühl der Finger I bis III sowie der Hälfte des Ringfingers.

Die Ursachen für eine Druckerhöhung können verschieden sein: Zustand nach Frakturen, entzündliche Veränderungen der Sehnen, Anschwellen des Gewebes z.B. während der Schwangerschaft und andere. Auch repetetive Arbeiten können zu einem CTS führen.

Therapie: Falls die Beschwerden nicht sehr ausgeprägt sind kann mit einer Schienenbehandlung während 4-6 Wochen sowie entzündungshemmenden Mitteln die Situation entschärft werden. Bei anhaltenden Beschwerden kann eine Cortisonspritze die Entzündung und Schwellung reduzieren. Falls all diese Massnahmen erfolglos bleiben oder der Medianus- Nerv schon deutlich eingeengt ist muss eine chirurgische Entlastung des Nerven erfolgen. Dabei wird das kräftige Carpalband durchtrennt. Der Nervus medianus wird dadurch entlastet. Der Eingriff kann in einer regionalen Anästhesie (Plexusanästhesie) durchgeführt werden. Die Prognose ist günstig.


Dupuytren`sche- Kontraktur

Dabei handelt es sich um eine gutartige Veränderung der Hautverankerungsbänder in der Hohlhand und an den Fingerbeugeseiten. Durch die Verdickung dieser Bänder können mit der Zeit ein oder mehrere Finger nicht mehr vollständig gestreckt werden. Häufig sind der Klein- sowie der Ringfinger betroffen. Die Veränderung findet sich vor allem bei Männern zwischen 45- 65 Jahren. Die Ursache der Erkrankung sind Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder andere z.T. noch nicht bekannte Gründe.

Therapie: Falls die Stränge stark stören und das Strecken der Finger eingeschränkt ist müssen die Stränge operativ gelöst werden. Die Rückfallquote ist aber recht hoch. Dennoch sind die meisten Patienten nach der Operation mit der Behandlung gut zufrieden.

 

Rhizarthrose (Daumensattelgelenksarthrose)

Das Daumensattelgelenk ist häufigen Belastungen ausgesetzt. Dadurch kann es zu einer Gelenksabnützung oder Arthrose kommen: Der Gelenkknorpel wird abgerieben und aufgebraucht. Dies führt bei Bewegungen im Daumensattelgelenk zu schmerzhaften Entzündungen und Schwellungen. Die Frauen sind von der Daumensattelgelenksarthrose häufiger betroffen. Die Greifschwäche des Daumens und Schmerzen bei Drehbewegungen sind typisch.

Therapie: Eine Ruhigstellung mittels einer Daumenschiene sowie entzündungshemmende Medikamente und Cortisoninjektionen können Linderung bringen. Falls dies aber nicht mehr hilft muss eine operative Behandlung besprochen werden: Dabei hat sich die sog. Interpositionsarthroplastik bewährt: Eine Handbeugesehne welche schneckenförmig aufgerollt wird ersetzt den abgenützten Mittelhandknochen. Nach der Operation erfolgt eine Ruhigstellung mittels Daumenschiene resp. Daumenkappe für 3 Monate. Die Resultate nach diesem Eingriff sind erfreulich.

 

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